Besteck auf schwarzem Teller
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Kultur & Genuss

Dinner in the Dark

Wenn das Auge mal nicht mitisst

Der Teller ist heiß. „Der Löffel liegt auf 15.15 Uhr“, verrät der Kellner. Treffer! Jetzt noch in die Suppe finden, was im ersten Moment eine echte Herausforderung ist, denn den aufsteigenden Dampf kann man höchstens spüren, die Position ertasten. Lippentest, passt, erste Hürde gemeistert. „Kokos?“ fragt der Nachbar zur Linken. „Koriander und Zimt“, meint jemand von weiter hinten. Zudem liegt irgendetwas Fruchtiges in der Luft. Oder ist das womöglich das Parfum der Nachbarin rechts? Wie auch immer: Bühne frei für die Geschmacksknospen.

Die anderen vier Sinne werden aktiv wie nie

Viele Veranstalter haben es längst erkannt: So ein Dinner in the Dark ist ein gefundenes Fressen für alle, die ein extravagantes Gastro-Highlight suchen. Oder für Menschen, die sich vorübergehend in die Welt der Blinden einfühlen möchten. Auch Firmenevents finden gerne einmal im Dunkelrestaurant statt, genauso wie das Blind Date der besonderen Art, wenn nicht das Aussehen die wichtigste Rolle spielen soll, sondern das intelligente Gespräch und die sexy Stimme des Gegenübers.

Bedenken vor rätselhaften Speisen? Keine Sorge. Alles ist mit viel Einfühlungsvermögen geplant. Der Kellner moderiert das Menü an, um unangenehmen Überraschungen vorzubeugen, und kann auch jederzeit gerufen und befragt werden. Persönlich führt er jeden Gast an seinen Platz in der Finsternis. Spannend, was dann der Geruchssinn plötzlich dem Hirn weiterleitet und wie jedes noch so kleine Geräusch wahrgenommen wird. Das Weinglas wird umgestoßen? Kann natürlich passieren, aber sieht ja keiner. Nur das Schmatzen sollte man sich bei diesem besonderen Erlebnis natürlich tunlichst verkneifen...